Der Theaterpreis des Freundeskreis Schauspiel Leipzig

Das sind die Kandidaten

 

Leipzig, 17. September 2018. Der Theaterpreis des Freundeskreises geht in diesem Jahr ganz neue Wege. Lag bislang die Auswahl der Preisträger – zu denen unter anderem Wolfgang Engel, Anja Schneider, Barbara Trommer und Armin Petras zählen – allein bei einer Fachjury, waren nun auch die Mitglieder des Vereins und die Abonnenten des Schauspiel Leipzig gefragt. Nach Auswertung der Wahlbögen stehen die Nominierten nun fest:
(in alphabetischer Reihenfolge)*:

Roman Kanonik in "Tagebuch eines Wahnsinnigen" © Rolf Arnold

In „Tagebuch eines Wahnsinnigen“ © Rolf Arnold

Roman Kanonik | Schauspieler
Der in Sibirien geborene Schauspieler gab sein Leipzig-Debüt als stimmgewaltiger Mond in Philipp Preuss‘ „Ein Sommernachtstraum“ und gehört seit der Spielzeit 2016/17 zum Ensemble des Schauspiels Leipzig. Er steht als Ubu in „König Ubu/Ubus Prozess“ auf der Bühne, in der Rolle des Salem in „Angst essen Seele auf“ und in „89/90“; spielte in „Kasimir und Karoline“ und polterte als Din Gior er warmherzig durch das Weihnachtsmärchen „Der schlaue Urfin und seine Holzsoldaten“. Roman Kanonik überzeugt durch ein körperlich und psychologisch hoch anregendes Spiel und verhilft seinen Figuren zu einer eindrucksvollen Fallhöhe. Ihm gelingt eine genaue Darstellung der Zerrissenheit seiner Figuren zwischen Hoffnung, Schmerz und Wut. Sein Soloprogramm „Tagebuch eines Wahnsinnigen“ ist auf der Hinterbühne zu sehen.

Andreas Keller © Rolf Arnold

© Rolf Arnold

Andreas Keller | Schauspieler
Andreas Keller ist sozusagen das dienstälteste Ensemblemitglied des Schauspiels. Seit nunmehr 16 Jahren beweist er hier in großen und kleinen Rollen eine unglaubliche Bühnenpräsenz. Keller ist einer der drei Osvalds in Philipp Preuss‘ „Gespenster oder Denkwürdigkeiten eines Nervenkranken“. Er spielt in „Sechs Personen suchen einen Autor“ und der erfolgreichen Jugendclubinszenierung „Tschick“ und war in „Kasimir und Karoline“, „Peer Gynt“ und „Kruso“ zu sehen. Andreas Keller gelingt es, seinen Rollen Tiefe und Kraft zu verleihen und dabei dem Zuschauer eine genaue Studie humanistischen Geistes, aber auch menschlicher Abgründe zu vermitteln. Dabei gelingen ihm traurig-anrührende Momente – gleichzeitig ist er ein Könner anspruchsvoller Komik.

Enrico Lübbe © Rolf Arnold

© Rolf Arnold

Enrico Lübbe | Regisseur
Enrico Lübbe ist seit 2013 der Intendant des Schauspiels Leipzig. In den 90er Jahren begann er hier als Regieassistent seine Laufbahn und wurde unter der Intendanz von Wolfgang Engel Hausregisseur. Lübbe wagt die großen Stoffe wie „Die Perser/Die Maßnahme“, die er im Sinne des epischen Theaters mit Schauspieler*innen, Musiker*innen und Chor als weltumgreifendes Panorama eindrucksvoll auf die Bühne bringt. Klassiker wie Horvaths „Kasimir und Karoline“ inszeniert er als intensive Studie menschlicher Sehnsüchte, Hoffnungen und Abgründe und leuchtet dabei auch die stillen Momente des Lebens aus. Er erweist sich ebenso als Kenner gesellschaftskritischer zum Teil bitterböser Komödien wie „Der Gott des Gemetzels“ von Yasmina Reza. Seine Inszenierung von Elfriede Jelineks „Wolken.Heim“ mit einem Bühnenbild des Malers Titus Schade eröffnete im vergangenen Herbst die neue Spielstätte „Diskothek“.

Philipp Preuss | Regisseur
Philipp Preuss„Ein Sommernachtstraum“, „Peer Gynt“ und „Gespenster“ – Philipp Preuss‘ bildgewaltige Arbeiten bewegen sich im ästhetischen Grenzbereich von Bildender und Theaterkunst; sie fordern und überfordern Auge und Ohr, Herz und Intellekt gleichermaßen. Preuss‘ Arbeiten überzeugen durch seine präzise Führung der Schauspieler*innen, mit denen gemeinsam er Momente großer Kunst zu schaffen weiß. Hervorzuheben ist die hohe Musikalität seiner Arbeiten – die Musik ist hier nicht nur Bindeglied zwischen einzelne Szenen, sondern eigenständiges und  handlungstragendes Element. Seit der Spielzeit 2015/16 ist der Österreicher einer der beiden Hausregisseure am Schauspiel Leipzig. Zuletzt suchte er auf der Großen Bühne in Ibsens „Gespenstern“ und den „Denkwürdigkeiten eines Nervenkranken“ des Daniel Paul Schreber nach dem Kern der Persönlichkeit und in zwei verwandten Seelen nach Parallelen des geistigen Verfalls.

Bettina Schmidt © Rolf Arnold

© Rolf Arnold

Bettina Schmidt | Schauspielerin
Bettina Schmidt kam 2013/14 mit Beginn der Intendanz von Enrico Lübbe vom Schauspiel Essen nach Leipzig. Sie spielt die weibliche Hauptrolle in „Angst essen Seele auf“ und steht mit ihrem klugen, trockenen Humor als unzufriedene Schauspielerin mit Hündchen in Moritz Sostmanns Inszenierung von „Sechs Personen suchen einen Autor“ auf der Bühne. Dass ihr auch Komödien liegen, bewies sie zuletzt in „Der Gott des Gemetzels“. Außerdem ist Bettina Schmidt in „Wolken.Heim“ und „Prinzessin Hamlet“ in der Diskothek zu sehen. Ihre Rollen überzeugen einerseits durch ein hohes Maß an Bodenhaftung, andererseits weiß sie wunderbare Momente voller Dekadenz zu schaffen. Bettina Schmidt wechselt, in ihrem Spiel überzeugend zwischen Lebensfreude und Weltschmerz. Mit Claudia Bauers Erfolgsinszenierung „89/90“ war sie zum Berliner Theatertreffen 2017 eingeladen.


In den kommenden Wochen wird nun die Jury aus diesen fünf Kandidaten den oder die Preisträger/in wählen. Der Jury gehören Tobias Prüwer (Kreuzer Leipzig/nachtkritik.de), Dimo Rieß (LVZ), Werner Mattke (Zuschauer), Prof. Wolfgang Schwarz, Dr. Susanne Briest, Rainer Mehlstäubl (Mitglieder des Freundeskreises Schauspiel Leipzig) und – als Vertreter des Freundeskreisvorstands – Alexander Sense an. Die Preisverleihung wird im Verlauf der Spielzeit 2018/2019 im Anschluss an eine Vorstellung stattfinden.

Der Theaterpreis des Freundeskreises Schauspiel Leipzig wird alle zwei Jahre verliehen. Ein Preis, um Danke zu sagen für besondere Leistungen für das Schauspiel Leipzig und eine Möglichkeit, das Haus und seine Gesichter noch mehr in die Stadt hineinzutragen.

* Die Vereinsmitglieder und Abonnenten waren aufgerufen drei Stimmen unter allen künstlerisch tätigen Beschäftigten (Schauspiel /Regie / Bühnenbild/ Kostüm/ Licht/ Video/ Musik und Choreographie) vergeben. Die fünf Meistgenannten gelten als nominiert. Der Abstimmung lagen die Spielzeiten 2016/17 und 2017/18 zugrunde.