Ein gemeinsames Signal der Fördervereine der Leipziger Kultureigenbetriebe

Mehr als Bühnen – Leipzigs kulturelles Fundament

 

Anfang Februar haben sich die Fördervereine der Leipziger Kultureigenbetriebe zur „Lindenauer Runde“ getroffen. Aus diesem Treffen ist ein gemeinsames Statement formuliert worden. Dieses wird auch an die Fraktionen des Leipziger Stadtrates gesendet.

Warum Kultur keine Option, sondern Grundlage urbanen Lebens ist.
Ein gemeinsames Signal der Fördervereine der Leipziger Kultureigenbetriebe

Leipzig, im Februar 2026

Die jüngste Berichterstattung zur wirtschaftlichen Situation der Oper Leipzig hat bei vielen Bürgerinnen und Bürgern Fragen und Sorgen ausgelöst. Als Vorsitzende und Vertreterinnen und Vertreter der Fördervereine der Leipziger Kultureigenbetriebe haben wir uns intensiv ausgetauscht. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, zur Einordnung beizutragen und einige Hintergründe zur aktuellen Lage zu erläutern.

Wir sprechen dabei nicht für die Institutionen selbst, sondern aus der Perspektive zivilgesellschaftlich engagierter Fördervereine. Durch den engen Austausch mit den Einrichtungen und Einblicke in die aktuellen Entwicklungen konnten wir uns jedoch ein differenziertes Bild der Situation machen.

Ein strukturelles Thema aller Kultureigenbetriebe

Unstrittig ist: Die finanzielle Lage der städtischen Kultureinrichtungen ist angespannt. Die angespannte Finanzlage ist nach unserem Verständnis kein isoliertes Problem einzelner Häuser. Sie ist Ausdruck einer strukturellen Herausforderung, die die Leipziger Kultureigenbetriebe insgesamt betrifft.

Ursachen der Entwicklung

In den vergangenen Jahren sind insbesondere Sach- und Personalkosten deutlich gestiegen – etwa für Energie, Dienstleistungen, Material sowie durch tarifliche Entwicklungen. Öffentliche Zuschüsse steigen teilweise nominell, gleichen jedoch vielfach nur diese allgemeinen Kostensteigerungen aus. Real entsteht dadurch kein zusätzlicher finanzieller Spielraum.

Nach unserer Kenntnis setzen die Häuser bereits spürbare Sparmaßnahmen um: Produktionen werden reduziert, Budgets gestrafft, Stellen nicht nachbesetzt und Investitionen verschoben. Die aktuellen Finanzierungslücken entstehen also nicht aus Untätigkeit, sondern trotz bereits eingeleiteter Kürzungen. Die strukturellen Kostenentwicklungen übersteigen die bestehenden Finanzierungsmodelle.

Hinzu kommt, dass bei Leitungswechseln zusätzliche, nicht planbare Kosten entstehen können, die von den Häusern selbst getragen werden müssen und für die keine gesonderten Ausgleichsmechanismen vorgesehen sind. Vakanzphasen können darüber hinaus zu eingeschränkter Planungssicherheit und künstlerischer Perspektive führen, was sich mittelbar ebenfalls finanziell auswirken kann.

Fakten statt „Pleite“-Szenarien

In der öffentlichen Darstellung entsteht mitunter der Eindruck eines wirtschaftlichen Versagens einzelner Einrichtungen. Tatsächlich geht es nach unserem Verständnis um wachsende Finanzierungslücken und künftige Liquiditätsrisiken, wenn Zuschüsse nicht ausreichend an die allgemeine Kostenentwicklung angepasst werden. Das ist eine ernstzunehmende Situation – aber eine, die politisch gestaltbar ist.

Ebenso wichtig ist uns die Klarstellung: Diese Entwicklung ist nicht auf die künstlerische Qualität der Arbeit zurückzuführen. Über Programme, Inszenierungen oder künstlerische Ausrichtungen kann und darf es unterschiedliche Geschmäcker und Meinungen geben – das ist Teil einer lebendigen Kulturlandschaft. Die finanziellen Herausforderungen entstehen jedoch aus übergeordneten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und strukturellen Finanzierungsfragen, nicht aus ästhetischen Entscheidungen. 

Warum Kultur für unsere Stadt unverzichtbar ist

Kulturelle Einrichtungen sind weit mehr als Veranstaltungsorte. Sie sind Orte der Begegnung, des Austauschs und gemeinsamer Erfahrung. Kultur fördert gesellschaftlichen Zusammenhalt, schafft Verständigung über unterschiedliche Perspektiven und regt dazu an, die eigene Sicht auf die Welt zu hinterfragen. Sie eröffnet neue Denk- und Erfahrungsräume, stärkt Empathie und Dialogfähigkeit und gibt kreative Impulse für die Gestaltung unseres Zusammenlebens und unserer Zukunft.

Theater, Musik und Tanz sind damit keine kurzfristig austauschbaren Angebote, sondern gewachsene kulturelle Infrastruktur und ein wesentlicher Bestandteil der Identität und Lebensqualität unserer Stadt.

Engagement ergänzt – ersetzt aber nicht

Als Fördervereine leisten wir gemeinsam mit vielen engagierten Bürgerinnen und Bürgern einen Beitrag durch gesellschaftliches Engagement und private Mittel. Diese Unterstützung ist wichtig und sichtbar – sie kann jedoch eine verlässliche öffentliche Kulturfinanzierung nicht ersetzen, sondern nur ergänzen.

Gemeinsame Verantwortung für die kulturelle Vielfalt

Neben den Kultureigenbetrieben tragen auch viele freie Kulturakteurinnen und -akteure entscheidend zum kulturellen Leben Leipzigs bei. Die aktuellen finanziellen Herausforderungen betreffen daher nicht nur einzelne Einrichtungen, sondern das kulturelle Ökosystem der Stadt insgesamt. Als Fördervereine der Kultureigenbetriebe sehen wir uns auch in solidarischer Verantwortung für diese Vielfalt, die Leipzigs kulturelle Strahlkraft ausmacht.

Unser gemeinsamer Schulterschluss

Wir, die unterzeichnenden Fördervereine der Leipziger Kultureigenbetriebe, haben uns zusammengeschlossen, um gemeinsam für den Erhalt der kulturellen Strukturen in Leipzig einzutreten. Unser Ziel ist es, die Bedeutung dieser Einrichtungen sachlich zu vermitteln und den Dialog über tragfähige kulturpolitische Lösungen konstruktiv zu unterstützen.

Unterzeichnet von den Fördervereinen:

Freunde und Förderer des Leipziger Balletts e.V.
Gesellschaft der Freunde des Gewandhauses e.V.
Freunde und Förderer der Musikalischen Komödie e.V.
Förderkreis der Oper Leipzig e.V.
Freundeskreis Schauspiel Leipzig e.V.
Fördergesellschaft Theater der Jungen Welt Leipzig e.V.