Die Laudatio

Für Yves Hinrichs

 

Seit zwölf Jahren verleiht der Freundeskreis Schauspiel Leipzig e.V. den Leipziger Theaterpreis, um herausragende Leistungen und Verdienste rund um das Leipziger Schauspiel zu würdigen. In dieser Spielzeit wirkten drei Preisträger der vergangenen Jahre in aktuellen Produktionen mit. Der Regisseur Armin Petras, die Schauspielerin und Regisseurin Anita Vulesica und die Schauspielerin Anja Schneider.

Der diesjährige Preisträger ist Yves Hinrichs, der durch seine herausragende Arbeit mit dem Theaterjugendclub „Sorry, eh!“ am Schauspiel Leipzig, den der Schauspieler und Regisseur seit 2013 leitet, ausgezeichnete Jugendtheater-Arbeit leistet.

Nach „Frozen (Eisrauschen)“ (2014), „Wunderland“ (2015) und „Never Ever Disconnected“ (2016) hatten in dieser Spielzeit gleich zwei Jugendclub-Produktionen Premiere: „Einige Nachrichten an das All“ auf der Hinterbühne und „TSCHICK“ im Leipziger Stadtbad.

Junge Leute ins Theater zu holen – und zwar sowohl auf die Bühne mit den ersten schauspielerischen Schritten als auch in den Zuschauerraum –, dafür steht Yves Hinrichs mit seiner Arbeit. Es gelingt ihm in nunmehr schon fünf Produktionen, den Jugendlichen bemerkenswerte schauspielerische Leistungen zu entlocken: auf durchgehend hohem Niveau und in bemerkenswertem Gleichgewicht von professioneller Team-Arbeit auf der einen und der Spielleidenschaft und inspirierenden Individualität der jungen Menschen auf der anderen Seite. Hinrichs ermöglicht seinen Spielern einen Einblick in die Welt des Stadttheaters und das Erproben der eigenen Ausdrucksmöglichkeiten auf der Bühne. Und er ermöglicht dem Theater ein neues und neugieriges, ein junges Publikum, das sonst seinen Weg ins Schauspiel Leipzig nicht so leicht gefunden hätte.

In einer Zeit großer Umbrüche, Ängste und unbewältigter Konflikte scheut sich Yves Hinrichs nicht, bei der Auswahl seiner Stoffe, Stellung zu beziehen und aufzuzeigen, dass der immer öfter geäußerte Vorwurf der entpolitisierten Jugend in der Praxis nicht zutrifft. Er versucht den Wunsch Hannah Arendts nach zivilem Ungehorsam in seinen Inszenierungen ein künstlerisches Gesicht zu geben. Auch weißt Hinrichs zusammen mit seinen Spielern nach, dass es kein richtiges Leben im falschen gibt wie der berühmte Aufsatz von Theodor W. Adorno überschrieben ist.

Aber auch das Kunstcredo von Rainer Werner Fassbinder, dass man gegenüber den Publikum nie gefällig sein darf, sondern stets herausfordernd beherzigt Yves Hinrichs. Einfache Antworten auf komplexe Fragen und eine seichte Unterhaltung, die sich selbst genügt finden sich in seinen Arbeiten nicht.

Hinrichs Arbeiten mit den Jugendlichen finden in Leipzig immer ihr Publikum und auch überregional Aufmerksamkeit und Wertschätzung. So war der Theaterjugendclub „Sorry, eh!“ u. a. eingeladen zum 37. Theatertreffen der Jugend 2016 Berlin, zum 26. Bundestreffen „Jugendclubs an Theatern“ 2016 und zum Jugend Theater Festival Schweiz 2016.
Mit seiner letzten Arbeit Tschick und einer Uraufführung in der nächsten Spielzeit in der Diskothek, geht Yves Hinrichs neue Wege. Spieler seines Jugendclubs stehen zusammen mit Schauspielern des Ensembles auf der Bühne.

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